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Silja Walter Dichterin und Benediktinerin

Silja Walter (1919–2011) zählt zu den bedeutendsten Stimmen der Schweizer Literatur. Die Dichterin und Benediktinerin verband Spiritualität, Poesie und Lebenserfahrung einzigartig. Geboren in Rickenbach als Cécile Walter, entstammte sie einer Verlegerfamilie; ihr Bruder Otto F. Walter wurde ebenfalls Schriftsteller.

Nach einem wegen einer Lungenerkrankung abgebrochenen Studium erschien 1944 ihr erster Band „Die ersten Gedichte". 1948 trat sie ins Kloster Fahr ein (Ordensname: Schwester Maria Hedwig). Dort fand sie neue Inspiration; ihre Werke handeln von Gottesuche, Freiheit und Innerlichkeit.

Sie schuf über 60 Werke (Gedichte, Romane, Tagebücher), darunter bekannte Titel wie „Der Wolkenbaum". Ihre Sprache ist poetisch und spirituell; viele Texte wurden vertont oder in die Liturgie aufgenommen. Für Walter war Literatur Ausdruck innerer Erfahrung, nicht reine Kunst. Sie wollte Menschen zum Nachdenken über Glauben und Menschlichkeit anregen.

Trotz des Klosterlebens blieb sie offen für die moderne Welt und suchte den gesellschaftlichen Dialog. Sie starb 2011 im Alter von 91 Jahren. Ihr Werk gilt als wichtiger Beitrag zur deutschsprachigen Literatur und spirituellen Kultur der Schweiz.

Worin besteht ihr Vorbild: Tradition und Modernität schliessen sich nicht aus; man kann tief verwurzelt und dennoch progressiv denken.

(Quellen: Universität Luzern, Kath.ch)

Im silbernen Wassergrund

Zuunterst im silbernen Wassergrund,
tief unterm Sehn und Verstehn,
ruht schon der Himmel in dir,
Mensch.
Spielt er sein Heilspielt mit dir,
Mensch.
Zuunterst im Grund.

Zuunterst im silbernen Wassergund, tief unterm Sehn und Verstehn,
Kommt der Erzengel zu dir,
Mensch.
Ist Gottes Geburt in dir,
Mensch.
Ist ewige Weihnacht in dir, Mensch.

Zuunterst im Grund.
Schau in den Wasserspiegel hinein,
Mensch.
Du hast alles in dir;
Den Hirten, den König, den Stern und das Tier.
Hingerissen vom Kind,
deinem herrlichen Herrn,
von dem sie gezogen sind,
wollen sie hinknien in dir,
Mensch,
und
wie Maria es anschauen,
zuunterst im Grund.
Amen.

Wolitz, Ulrike: Ich habe den Himmel gegessen. Einsiedeln: Paulusverlag, 2018.