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Madeleine Delbrêl – Mystikerin der Strasse

Madeleine Delbrêl wurde 1904 in der kleinen französischen Stadt Mussidan (Dordogne) geboren. Sie wuchs in einer liberalen, religiös indifferenten Familie auf und wurde zur erklärten Atheistin. Schon früh zeigte sie künstlerisches und intellektuelles Talent: Sie schrieb Gedichte und erhielt dafür einen französischen Literaturpreis. Doch auf ihre Fragen nach dem Sinn des Lebens fand sie keine Antworten.

Eine tiefe Lebenskrise und Begegnungen mit jungen Christen und Christinnen führten sie schliesslich zum Gebet und zu einer intensiven Gotteserfahrung. Aus dieser Erfahrung erwuchs bei ihr der Wunsch, in ein Kloster einzutreten. Aus familiären Gründen liess sie davon ab und engagierte sich stattdessen in einer Pariser Pfarrei. Durch die dortige Arbeit entwickelte sich mit der Zeit die Sehnsucht nach einer Lebensgemeinschaft, die das Evangelium praktisch lebt – ohne Gelübde und Klausur, mitten im städtischen Leben. Madeleine verzichtete auf eine vielversprechende künstlerische Laufbahn und begann ein Studium der Sozialarbeit.

Offenes Haus der Gemeinschaft – Praxis des gelebten Evangeliums

1933 verliess sie Paris zusammen mit zwei Freundinnen und zog nach Ivry, einer von Kommunisten geführten Arbeiterstadt südlich von Paris. Die drei jungen Frauen wollten durch ihre Lebensgemeinschaft und ihr Wirken ein christliches Zeugnis mitten unter der Arbeiterbevölkerung geben.

1946 gab sie ihren Beruf als Sozialarbeiterin auf, um sich voll ihrer wachsenden Gemeinschaft «Charité de Jésus» zu widmen. Das Haus der Gemeinschaft stand allen offen, die Rat und Hilfe suchten – ein echtes «Haus der offenen Tür». In Ivry lebte und wirkte Madeleine bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1964.

Ihr Vermächtnis

Ihre Erfahrungen, als Christin inmitten eines atheistischen Umfelds zu leben und zu arbeiten, verarbeitete Madeleine in zahlreichen Meditationen, Gedichten und Gelegenheitswerken. Diese Texte inspirieren bis heute Menschen, Spiritualität in den Alltag zu integrieren. Es erfordert Glauben und Achtsamkeit, zu wissen, dass die göttliche Kraft stets Raum schafft; dann leuchtet sie in unseren ganz alltäglichen Verrichtungen auf (vgl. «Deine Augen», 90 ff.). Deshalb wird Madeleine heute auch als «Mystikerin des Alltags» bezeichnet. Für sie war das Evangelium aber nicht nur Lesestoff, sondern auch gelebte Realität, weshalb sie zugleich auch als «Mystikerin der Strasse» gilt.

Das Leben von Madeleine Delbrêl beweist, dass man auch heute noch aus der Kraft des Evangeliums heraus die Welt mitgestalten kann.