
Die heilige Helena – ihr Name bedeutet «die Leuchtende» –, Mutter von Kaiser Konstantin dem Grossen, war eine prägende Figur der frühen Christenheit. Sie durchlief das Katechumenat und wurde als gläubige Christin getauft. Ihr Leben war von Dramatik geprägt: Verstossen vom Gatten und Vater ihres Sohnes aufgrund politischer Intrigen, kehrte sie an den Kaiserhof zurück, als Konstantin den Thron bestieg und sie zur Kaiserin erhob. Trotz schmerzhafter Familiendramen – ihr Sohn liess sogar Frau und Kind hinrichten – blieb Helena ihrer Überzeugung treu und setzte sich zeitlebens für Arme und Ausgestossene ein.
Im hohen Alter von über 80 Jahren unternahm sie auf Konstantins Befehl hin eine Pilgerreise nach Palästina. Der Legende nach leitete sie dort Grabungen, bei denen das Heilige Kreuz und die Stelle des Grabes Christi entdeckt wurden. An diesen Fundorten liessen Mutter und Sohn die Grabeskirche in Jerusalem errichten. Zudem wird ihr die Gründung der Geburtskirche in Bethlehem, der Eleona-Basilika auf dem Ölberg sowie zahlreicher weiterer Gotteshäuser zugeschrieben. Reliquien wie der Heilige Rock in Trier und die Scala Santa in Rom werden ebenfalls mit ihrer Reise verbunden. Als erste dokumentierte Pilgerin und Stifterin heiliger Stätten prägt ihr Vermächtnis bis heute das Bild der christlichen Heiligenwelt.
Noch heute ist die heilige Helena ein bedeutendes Vorbild für die Kraft des Widerstands gegen Schicksalsschläge, für die Verantwortung der Mächtigen gegenüber den Schwachen und für die Idee, dass wahre Grösse auch im hohen Alter noch erreicht werden kann. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass persönlicher Leidensweg und soziale Verantwortung kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stärken können.