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Die Karwoche – Einladung, den Weg Jesu mitzugehen

Symbolbild - KI generiert

Die Woche vor Ostern trägt im Deutschen den ernsten Namen „Karwoche“ – vom althochdeutschen kara, der Trauer. Und doch ist sie mehr als eine Zeit des Rückblicks auf Leid und Tod. Sie ist der geistliche Höhepunkt des Kirchenjahres, eine intensive Wegstrecke, auf der wir Christinnen und Christen eingeladen sind, Jesus Schritt für Schritt zu begleiten – hin zur Freude der Auferstehung.

Aufbruch mit Jubel

Am Palmsonntag beginnt dieser Weg mit Jubel. Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Menschen breiten Zweige und ihre Kleider vor ihm aus und bezeichnen ihn als „Sohn Davids“. In ihm erkennen sie den verheissenen Friedenskönig: „Dein König kommt zu dir! Er verzichtet auf Gewalt. Er reitet auf einem Esel“ (vgl. Mt 21,5). Doch schon hier klingt an: Jesu Königtum entspricht nicht den Erwartungen politischer Macht. Sein Weg führt nicht auf einen Thron, sondern ans Kreuz.

Zuspitzung der Ereignisse

Die folgenden Tage verdichten sich dramatisch. Jesus leert den Tempel und lehrt in ihm, er tritt entschieden für die Heiligkeit des Gotteshauses ein, er wird reichlich gesalbt in Betanien – ein Vorauszeichen seines Begräbnisses. Zugleich wächst der Widerstand. Judas bereitet den Verrat vor. Licht und Dunkel liegen nah beieinander.

Gemeinschaft, Hingabe und Dienst

Am Gründonnerstag öffnet sich der Raum tiefster Gemeinschaft. Beim letzten Abendmahl deutet Jesus sein Leiden als Hingabe: „Das ist mein Leib … das ist mein Blut.“ In Brot und Wein verheisst er seine bleibende Gegenwart. Wo wir Eucharistie feiern, gilt diese Hingabe auch uns. Die Fusswaschung erinnert daran, dass Liebe sich im Dienen bewährt. Gründonnerstag ist daher nicht nur Abschied, sondern auch ein Fest der Gemeinschaft und der tätigen Nächstenliebe.

Die Tiefe des Leidens

Der Karfreitag führt in die äusserste Tiefe. Der kurz zuvor umjubelte König wird verhört, verspottet, verurteilt und gekreuzigt. Die Kirche verharrt in Stille. Glocken und Orgel schweigen. Im Kreuzweg gedenken wir Jesu Gang nach Golgota. Palmsonntag und Karfreitag stehen in scharfem Kontrast – und doch gehören sie untrennbar zusammen. Erst im Licht der Auferstehung erschliesst sich der Sinn des Kreuzes: Christus leidet nicht nur an der Welt, sondern für sie. Sein Tod ist Hingabe aus Liebe, Erlösungstat für uns.

Einladung mit Mitgehen

Die Karwoche ist deshalb keine blosse Erinnerung an vergangene Ereignisse. Sie ist Einladung zur persönlichen Mitfeier und Mitentscheidung. An welcher Station dieser Woche stehe ich? Im Jubel der Menge? In der Unsicherheit der Jünger? Im Schweigen unter dem Kreuz?

Gehen wir diesen Weg bewusst mit – in den Liturgien unserer Gemeinden, im Gebet, in Momenten der Stille. Lassen wir uns hineinnehmen in das Geheimnis von Tod und Auferstehung. Denn wer die Tiefe des Karfreitags nicht scheut, wird die Freude des Ostermorgens umso heller erfahren.