
Der nächtliche Sternenhimmel hat die Menschheit seit jeher zum Staunen gebracht. Was wir sehen, ist mehr als ein physikalisches Schauspiel – es wirft Fragen auf nach Ursprung, Sinn und Ziel der Welt. Doch wie passen moderne Astrophysik und der christliche Glaube an die Schöpfung zusammen? Der Schweizer Astrophysiker und Theologe Arnold Benz geht in seinem Buch „Das geschenkte Universum. Astrophysik und Schöpfung“ genau dieser Frage nach – und zeigt Wege, wie Naturwissenschaft und Theologie nicht im Widerspruch, sondern in einem tiefen Dialog
stehen können.
Zwei Sichtweisen – eine Wirklichkeit
Benz stellt klar: Wissenschaft und Glaube sprechen nicht über dieselbe Sache auf dieselbe Weise. Die Astrophysik erforscht die physikalischen Prozesse, durch die das Universum entstanden ist: den Urknall, die Bildung von Sternen und Planeten, die Entwicklung von Materie über Milliarden von Jahren. Sie erklärt das Wie der Welt – mit Hilfe von Mathematik, Experimenten und Beobachtung.
Der Glaube hingegen fragt nach dem Warum: Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht vielmehr nichts? Warum ist das Universum lebensfreundlich? Und was bedeutet es für uns Menschen, Teil dieses gewaltigen Kosmos zu sein?
Benz spricht sich dafür aus, die beiden Perspektiven als Ergänzung zu betrachten. Die Naturwissenschaft erklärt die Welt funktional, der Glaube deutet sie existenziell. Wer beide Zugänge ernst nimmt, erhält ein tieferes Verständnis der Wirklichkeit.
Die Welt als Geschenk – nicht als Zufall
Der Schlüsselbegriff bei Benz ist das „geschenkte Universum“. Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich die Existenz des Universums mit Wahrscheinlichkeiten und physikalischen Prozessen beschreiben. Doch der Glaube sieht darin mehr als bloßen Zufall: Er erkennt in der Entstehung und Schönheit der Welt einen Hinweis auf einen tieferen Ursprung, den Christen Gott nennen.
Dabei geht es nicht um einen „Gott der Lücken“, der nur dann auftritt, wenn Wissenschaft etwas nicht erklären kann. Vielmehr versteht Benz Schöpfung als einen fortdauernden, tragenden Prozess, der sich auch in der Natur selbst zeigt. Gott wirkt nicht gegen die Naturgesetze, sondern durch sie hindurch, in jedem Moment.
Eine Haltung des Staunens und der Verantwortung
Was bedeutet es für den christlichen Glauben, wenn wir das Universum als Geschenk begreifen? Es bedeutet vor allem: Ehrfurcht statt Berechnung, Demut statt Kontrolle. Wir sind nicht die Herren des Kosmos, sondern Teil einer Schöpfung, die uns anvertraut ist. Wissenschaft kann uns helfen, diese Welt besser zu verstehen – der Glaube lädt uns ein, sie zu deuten, zu achten und zu bewahren.
Benz ruft zu einer dialogischen Haltung auf – nicht zu einer Vermischung, sondern zu einer Begegnung von Glaube und Wissenschaft. Wer sich auf diesen Dialog einlässt, erhält vielleicht nicht alle Antworten, aber einen anderen Zugang zur Wirklichkeit: eine Welt, die nicht nur erklärbar, sondern auch bedeutungsvoll ist.
„Glaube und Naturwissenschaft sind zwei unterschiedliche Weisen, die gleiche Wirklichkeit zu betrachten – beide sind nötig, um das Ganze zu erfassen.“ - Arnold Benz
Benz, Arnold: Das geschenkte Universum. Astrophysik und Schöpfung, Düsseldorf 2018.