Fachstelle BKM Bildung-Katechese-Medien

ModuIAK – Modul 4: Grundzüge christlicher Existenz

Was ist Religion

Was ist Religion eigentlich? Eine Begriffsbestimmung dazu ist gar nicht einfach und scheitert sehr häufig an dem Umstand, dass die Definition stark von der Position desjenigen abhängt, der die Definition verfasst. Es gibt ein ganzes Arsenal verschiedener Ansätze, was «Religion» im eigentlichen Sinne ist. Gerne nimmt Guido Estermann dabei den Religionsbegriff von Ninian Smart zu Hilfe, der Religion in ihrer äusseren Erscheinungsweise in sieben Dimensionen beschreibt. Erscheinungsweisen sind dabei das Ritual, der Mythos, die Gesetzgebung, die Philosophie, die Institutionen, die Darstellungen in Kunst, Architektur bzw. an heiligen Orten und schliesslich die Emotion als überzeugte Erfahrung. Für katechetisch Tätige und Religionslehrpersonen gehört es zur Ausbildung, dass sie religionsgeschichtliches, biblisches und kulturelles Fachwissen in Bezug auf diese verschiedenen Dimensionen von Religion aufbauen, besonders natürlich in Bezug auf das Christentum.

Die Ausbildung nimmt denn auch dieses Anliegen auf. In zwei fachwissenschaftlich orientierten Grundlagenmodulen können sich die Auszubildenden einerseits einzelne ausgewählte Aspekte aneignen, andererseits lernen sie aber auch das entsprechende Handwerk, in theologischen Denkkategorien eigene Fragestellungen zu bearbeiten.

Dabei wird in der Ausbildung von einem explizit hermeneutischen Ansatz ausgegangen. Das bedeutet so viel, dass jeder Text, jede Quelle, jede Tradition, jede noch so dogmatisch legitimierte Aussage eine eigene Entstehungsgeschichte in sich trägt, die es zu erkennen gilt und die mit dem eigenen Kontext in Verbindung zu bringen ist. Dabei ist das Bewusstsein entscheidend, dass auch die eigenen Aussagen und Interpretationen selbst Resultate eines hermeneutisch angelegten Deutungsprozesses sind. Damit bekommt jede Deutung eine innere Spannung, die für die Weiterentwicklung jedoch unabdingbar ist. Diese Spannung ist das Dynamische in der Theologie.

Damit kann die Theologie als Teil der Gesellschaft einen unabdingbaren Dienst erweisen, weil im Gegensatz zu Geschichts- oder Kulturwissenschaften bei ihr tatsächlich auch mit der Transzendenz – oder eben dem Göttlichen – gerechnet werden darf. Hier liegt der eigentliche Charme der Theologie, die sie in der heutigen, empirisch dominierten Welt nicht zu einer «Gegenwissenschaft» macht, sondern zu einer Integrationswissenschaft werden lässt. Damit dies möglich wird, braucht es das entsprechende Fachwissen für theologisch und katechetisch Tätige. Denn es gilt ganz nach Ignazio von Loyola: Wer nichts weiss von Religion, glaubt alles. Wissen um Religion macht religiöse Aussagen erst kompatibel mit der Welt.

17 Teilnehmende in diesem Modul

Im Modul 4 des ModuIAK-Ausbildungsgangs werden nun also entsprechende Themen aufgenommen. Da geht es einmal um die Entwicklung der christlichen Kirchen in den verschiedenen Zeiten, um ethische Fragestellungen, die mit theologischen Perspektiven mitbeantwortet werden können, sowie schliesslich um Traditionen, wie sie sich in den Sakramenten und Praktiken der christlichen – besonders in der römisch-katholischen – Kirche im Verlauf der Zeit entwickelt haben, und welche Zugänge und Bedeutungen heute möglich sein können.

Zwischen Januar und September 2020 werden sich 17 Teilnehmende in diesem Modul mit genau diesen Ansätzen fachwissenschaftlich und auch persönlich auseinandersetzen und einen eigenen Wissenszuwachs erarbeiten, der auch ihre Persönlichkeit durchaus verändern kann.

2020-01-23T08:10:30+01:0023. Januar 2020|